Unter einem guten Stern. Bei Johannes King im Söl’ring Hof

Ich mache gerade Urlaub auf Sylt und genieße es, dass hier im September Ruhe eingekehrt ist. Man kann ausgedehnte Strandspaziergänge machen und sich den Meerwind um die Nase wehen lassen. Ab und an darf es aber auch mal was anderes als Meerwind sein. Kulinarisch ist Sylt sicher alles andere als Notstandsgebiet. Alleine 4 Sterneköche zählt die Insel und zumindest einen davon wollte ich besuchen.

Ein Tisch für zwei Personen war reserviert, Dank eines meiner Kollegen, der das für mich erledigt hat; Danke Andreas!

Da ich in Rantum entspanne, war der Söl’ring Hof erste Wahl. Johannes King ist seit 2000 als (Chef-)“Koch und Gastgeber“ im Dorint Söl’ring Hof in Rantum auf Sylt am Werk. In allen gängigen Führern ist er gut platziert und vom Guide Michelin mit zwei Sternen bewertet.

Von der Bezeichnung „Dorint“, normalerweise nicht gerade ein Synonym für gute Küche, sollte man sich nicht irritieren lassen. Das Hotel Söl’ring Hof hat so gar nichts mit den sonst bekannten Vertreter-und-Tagungshotels gemein. Direkt auf dem Dünenkamm gelegen bietet es 15 exquisite Zimmer und Suiten und ein Restaurant in klassisch-moderner Eleganz. Ein sehr gelungenes Ambiente für einen leckeren Abend. Die Küche ist zum Gastraum offen und erstaunlich klein. So hat man das Vergnügen, dem Meister und seinen Köchen beim Zubereiten der Gerichte zuzusehen. Überrascht war ich von der Perfektion der Abläufe. Fast lautlos, mit traumwandlerischer Sicherheit und ohne jegliches Anzeichen von Hektik wurden die Leckereien zubereitet.

Unbedingtes Lob gebührt dem vorzüglichen Service, der der Küche in Nichts nachsteht. Superfreundlich, gut gelaunt und unaufdringlich, aber eben auch immer zur Stelle, wenn es angebracht war. Zu den Gerichten, der Zubereitung und zu den Zutaten konnte der Service fundiert Auskunft geben und die Weinempfehlungen waren ebenso perfekt auf die Gerichte abgestimmt.

King ist in der Küche sehr stark an den Jahreszeiten orientiert. Fisch und einheimische Produkte von Salzwiesenkräutern bis zur friesischen Käsespezialität prägen seine Küche. Wir entschieden uns für das Degustations – Menü mit 5 Gängen.

Besonders gelungen fanden wir Croustillant von dänischen Langostinos auf Karotten – Ingwerkompott und Krustentierjus.
Die Langostinos waren in einem Kataifi-Teig eingeschlagen und darin kurz fritiert. Das Gericht war schon optisch hervorragend. Geschmacklich hat mich das Karotten – Ingwerkompott begeistert. Eine perfekte Balance von intensivem süsslichem Kartottenaroma mit einer auf den Punkt perfekten Ingwernote. Eben so viel, dass der Ingwer deutlich wurde, aber nicht so viel, dass er die Karotten erdrückt hätte. Die Weinempfehlung zu dieser Kombination hat mich erst überrascht. 2006er Tausend Rosen Grüner Veltliner vom Weingut Ott, Wagram. Ein grüner Veltliner schien mir alles andere als passend. Aber auch hier wurden wir sehr positiv überrascht.  Kein leichter Sommerwein, sondern eher an feines süßes Steinobstkonfit erinnernd. Am Gaumen saftig, cremig und rund. Besser hätte die Empfehlung zu dem Karotten – Ingwerkompott nicht sein können.

Weiter ging es mit Gebratener Nordsee Knurrhahn mit Brokkoli, Mandeln und Nussbutter, begleitet von einem 2007er Guru Wine and Soul, Douro. Sehr lecker, perfekt zubereitet aber eben nicht so beeindruckend wie der Gang zuvor. Die Weinempfehlung überzeugte mit schönen mineralischen Noten.

Feines vom Müritz Lamm mit Brunnenkressepürée und Rübchen war wieder sehr gelungen. Vom Lamm gab es Nierchen, Leber und Rücken, alles perfekt und ansprechend präsentiert. Der 2002er Pinot Noir El Molino war eine würdige Begleitung.

Eigentlich schon gut gesättigt und zwischendurch mit Grüßen aus der Küche und kleinen Überraschungen verwöhnt war das Dessert, Friesenschnittchen mit geeistem Zwetschgenknödel und Haselnußkrokant ein gelungener Abschluss des Abends. Das hervorragende Zwetschgenparfait ist besonders zu erwähnen.

Ach ja, die kleinen Petit fours, für die eigentlich kein Platz mehr im wohlgefüllten Magen war, sahen so unwiderstehlich aus, dass ich sie doch kosten musste. Einfach wunderbar. Einziges Manko: Der Espresso dazu war leider auf dem üblichen Niveau der deutschen Gastronomie – bescheiden.

Ein sehr gelungener Abend in einem Restaurant, in dem man sich gut aufgehoben und als gut umsorgter Gast wohlfühlt. Was mich etwas gestört hat, ist dass Johannes King viel mit Pürees und „Schäumchen“ arbeitet. Ich weiß, das ist en vougue, aber es erinnert mich irgendwie immer an Babynahrung und dafür fühle ich mich schlicht zu alt. Das schmälert aber den Gesamteindruck in keiner Weise und auch wenn ich nicht jeden Abend auf diesem Niveau essen möchte, ist der Söl´ring Hof eine unbedingte Empfehlung für alle, die es auf die Insel verschlägt.

Als kleines Geschenk meines Kollegen, der die Reservierung vorgenommen hat, lag auf dem Tisch ein Kochbuch von Johannes King, aus dem einige Gerichte schon auf meiner Nachkoch-Liste stehen.

Aktuelle Auszeichnungen von Johannes King

Michelin 2 Sterne
Gault Millau 17 Punkte
Feinschmecker 3.5 Punkte
Bertelsmann 4 Hauben
Aral 4 Löffel
Varta 4 Diamanten
Varta 1 Varta Tipp Küche
Varta 1 Varta Tipp Service

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